Bewusstseinsbildung - Zukunft





Kostenlose Lehrbriefe
1. Lehrbrief



Wolle die Wandlung.
Oh sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht,
das mit Verwandlung prunkt;
jener entwerfende Geist,
welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung
nichts wie den wendenden Punkt.

Rainer Maria Rilke aus
"Sonette an Orpheus"


"Die Zukunft war viel besser als die Gegenwart" (Karl Valentin)


Zukunft entsteht scheinbar von selbst, und wenn sich jemand sehr bemüht seine Zukunft zu planen, dann kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.
Der Mensch hat offensichtlich keinen Einfluss auf die Zukunft. Wir reden hier von einem weiter gefassten Begriff "Zukunft" als den, bei dem es sich ausschließlich um persönliche Zukunftsgestaltung handelt. Alles, was nicht mehr heute ist, ist morgen, und das Morgen ist Zukunft. Darüber hinaus verspricht Zukunft immer etwas, was es heute noch nicht gibt. Aber wie entsteht dieses Neue? Irgendwo im Verborgenen muss es still und heimlich wachsen, gären, gedacht und gefühlt werden. Das, was nicht mehr dient, um Entwicklung zu ermöglichen, um Probleme zu lösen, muss in etwas Besseres umgewandelt werden, sonst konserviert sich die Gegenwart, was auch oft eine Zeit lang stattfindet. Aber nach und nach wird die alt gewordene Zeit wie eine reife Kruste von der Haut abgestoßen. Das Neue ist hier! Wo entsteht dieses Neue? Wo versteckt es sich eine Zeit lang? Im Bewusstsein des Menschen! Der erste Ort, an dem Zukunft entsteht, ist das Denken, wenngleich ein Problem vorher überhaupt in das Bewusstsein eintreten muss, bis es vom Denken erfasst und umgewandelt werden kann. Wenn dieser Vorgang blockiert ist, so spricht man davon, dass jemand kein Bewusstsein von einem Problem, einer Sache hat.

Im Zeitalter der Medien und ihrer vielfältigen Beeinflussungsmöglichkeiten sind beide Fälle begünstigt, nämlich viele unnötigen Dinge überschwemmen das Bewusstsein, und die wichtigen Probleme bleiben oft verborgen. So wie alles Alte schließlich doch dem Neuen weichen muss, so erfüllt sich Karl Valentins Spruch, dass die Zukunft viel besser als die Gegenwart war. Sie kann es nur sein, weil ihr Dünger das Alte war, das zur Pflanze der Zukunft wurde. Zukünftige Gedanken in sich aufzusuchen und rege zu machen, ist keine Tagträumerei, sondern ein Saatbeet für Entstehendes.

Vor den vielen Schatten, die sich in der Gegenwart ausbreiten, braucht man keine Angst zu haben, weil der alte Spruch sich immer bewahrheitet, dass dort, wo viel Schatten ist, viel Licht sein muss. Das lässt sich auch physikalisch beweisen. Welch ein Glück! Der große Schatten weist darauf hin, dass im Verborgenen Neues, Großes und Vorwärtsbringendes darauf wartet entdeckt zu werden, um es in das Bewusstsein zu integrieren. Wie geht das vor sich?

Es gibt Initiativen, die von der Zivilgesellschaft ins Leben gerufen werden, und die im Verborgenen blühen, weil sie nicht im Medienmittelpunkt stehen. Das betrifft erfreulicherweise das Bankwesen und ein vermehrtes nachhaltiges Produzieren im Wirtschaftsleben. Zum Beispiel steht Österreich an erster Stelle der Welt im Einsetzen eines Recyclingverfahrens, das Plastik herstellt, das nicht von Giftstoffen belastet ist. Leider haben die Konzerne wenig Interesse an diesem kostenintensiveren Verfahren.

Aber am besten fängt man bei sich selbst an, weil die stärkste Kraft der Veränderung um sich greift, wenn der einzelne Mensch erkennt, dass er zwar gerne eine bessere und humanere Welt hätte, in der der Mensch wieder im Mittelpunkt steht und nicht die Gier nach Geld, aber dass er etwas dafür tun muss und er es nicht dem Staat überlassen darf. Erst wenn der Einzelne bereit ist, auf einige Bequemlichkeiten in seinem Leben zu verzichten, beginnt er sich vielleicht auf diesen Weg zu machen, der eine Neugestaltung des Lebensalltags ermöglicht.

In welcher Bewusstseinswirklichkeit ich lebe ist daher die entscheidende Frage. Wenn mein Bewusstsein mir etwas über meine Wirklichkeit vermittelt, sie muss gar nicht mit der Realität übereinstimmen, so spricht man von Bewusstseinswirklichkeit, weil es dem Bewusstsein desjenigen entspricht, der damit eine vermeintliche Realität konstruiert. So kann man sagen, dass es viele Bewusstseinswirklichkeiten gibt. Dort, wohin ich meine Wahrnehmung fokussiere, kann Bewusstsein entstehen. Kann, es muss nicht sein.
So wird die persönliche Lebensgestaltung davon abhängen, welche Bewusstseinswirklichkeit sich jemand konstruiert. Die meisten Menschen müssen sich ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen, und das bedeutet manipulierbar, erpressbar zu sein, um die finanzielle Existenz nicht zu verlieren. Die Anpassung beginnt. Um sich in dieser Anpassung nicht zu verlieren, muss ich etwas in mir rege machen, fördern oder aufsuchen, das mein Wesen überleben lässt, nämlich ein Bild vom Menschen - ein Menschenbild. Das Menschenbild im 21. Jahrhundert unterscheidet sich vom 19. und 20. Jahrhundert vor allem dadurch, dass über eine transirdische Welt nicht mehr nachgedacht, geschweige geredet wird. Zweifellos ist die Befreiung von dem jahrhundertelangen Joch der Kirchen zu begrüßen, nur das entstandene Vakuum muss gefüllt werden, aber nicht durch den Gott Mammon. Der eigenständige Weg des Menschen zu der Welt, aus der er stammt, und in die jeder wieder zurückkehrt, ist sicher kein leichter, und kann nur mit eigener Kraft erobert werden.

An dieser Stelle sei ein sensationelles Buch des Neurochirurgen Dr. med. Eben Alexander erwähnt, der von einem rein materialistischen Weltbild geprägt war, bis er durch eine schwere Gehirnerkrankung in ein siebentägiges Koma fiel. Was er in diesen sieben Tagen im Koma erlebt hatte, hat ihn zu einem völlig anderen Menschen gemacht. Das materialistische Weltbild war für ihn nicht mehr haltbar. Natürlich hat er an kein Weiterleben nach dem Tod geglaubt! Aber jetzt war alles anders.
Buchtitel: Dr. med. Eben Alexander: Blick in die Ewigkeit. 2016 Heyne.

Wie kann ich zu einer Bewusstseinswirklichkeit vordringen, die der Realität entspricht, wobei die erste Frage gleich lautet, was als Realität anzusehen ist. Es gibt Wirklichkeiten, die unbestreitbar sind, wie zum Beispiel: Alle Menschen müssen sterben, oder Frauen gebären Kinder. Für deren Anerkenntnis muss man auch nichts tun. Anders schaut es aus bei Fragen, deren Wahrheitsgehalt erst durch die Beschäftigung mit dem Thema erschlossen werden kann. Zum Beispiel: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Die meisten Menschen interessiert das Thema nicht, weil es ihnen zu mühsam ist, sich eine Meinung darüber zu bilden.

Eine relativ einfache Möglichkeit, um an seiner Bewusstseinswirklichkeit zu arbeiten, ist zu überprüfen, ob ich körpergerecht atme oder nicht. Man kann nämlich seine Atmung aus schlechter Gewohnheit von der Vollatmung, nämlich Brust- und Bauchatmung, auf die Brustatmung reduzieren. Das vollzieht sich meistens unbewusst. Die Folgen sind fatal, weil die eingeschränkte Atmung sich auf das Gehirn und somit wieder auf die Möglichkeiten des Bewusstseins auswirkt. Dazu folgender Gedanke: Die Wissenschaft unterscheidet mit Hilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) vier verschiedene Schwingungszustände des Gehirns. Der erste Zustand wird als Delta bezeichnet. Hier misst man bis zu 4 Hertz Gehirnfrequenz, und im tiefen, traumlosen Schlaf befindet sich jeder Mensch in dieser Schwingungsfrequenz. Der Theta-Bereich zeigt eine Frequenz von 4 - 7 Hertz, die Entspannung ist nicht mehr so tief, man schläft oder meditiert. Dann folgt der kreativste und reibungsloseste Zustand des Gehirns: der Alpha-Bereich mit 7 - 14 Hertz. Das eindimensionale Sehen fällt weg, wir können Probleme aus allen Perspektiven betrachten, die Gedanken sind ruhig und wir atmen tief und gleichmäßig und fühlen uns wohl. Alles was über 14 Hertz hinausgeht, fällt unter den Begriff Beta, diese Skala kann bis zu 35 Hertz reichen. In Beta können keine optimalen Lösungen erreicht werden. Beta steht für Kampf, Abwehr und Krieg, für das NEIN. In Beta ist die linke Gehirnhälfte hochaktiv, die rechte hingegen so gut wie ausgeschaltet.

Leider muss man sagen, dass die meisten Menschen im Beta-Zustand agieren, weil sich die Atmung aus irgendwelchen Gründen auf die Brustatmung reduziert hat. Mit der Brustatmung beginnt der erste Akt des Dramas der unbewussten Wesensverleugnung. Alles andere ergibt sich fast von selbst im Verein mit der Angst um das existentielle Überleben. Diese Angst ist berechtigt, wird aber sehr gut benützt, um Menschen für die Wünsche der Mächtigen gefügig zu machen. Es gibt eine relativ einfache Methode um den eigenen Schwingungszustand im Gehirn zu kontrollieren. Sollten Sie in der falschen Atmung gefangen sein, dann kommen Sie von "Beta" nicht weg. Dass es eine richtige und falsche Atmung gibt, ist selbst schon aufsehenerregend, nämlich, dass der Mensch seine der Körperfunktion angepasste Atmung zum Schlechteren verändern kann. Wie geht das? Sie brauchen nur beim Einatmen den Bauch einziehen und die Lunge mit Luft füllen. Das nennt man reine Brustatmung, und diese reduziert Ihr Sauerstoffvolumen im Nu. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass es sich nicht nur um mehr oder weniger Sauerstoff im Gehirn handelt. Es geht um Wahrnehmung. Es geht darum, die Möglichkeiten der eigenen Wahrnehmung zu erhöhen. Umso besser ich wahrnehme, umso besser kann ich auf das Leben reagieren.

Rauchen ist die sicherste Art sich die schädigende Brustatmung anzutrainieren, weil niemand würde es überleben, wenn er die Vollatmung (Brust und Bauch) beim Rauchen anwendet.

Die körperangepasste Atmung lässt beim Einatmen den Bauch locker, das Zwerchfell tritt um ca. 3 cm nach unten und gibt der Lunge Raum, damit sie sich füllen kann. Wir wurden alle mit dieser Atmung geboren, und als wir Kinder waren, ist sie automatisch passiert. Wenn Sie auf diese Weise atmen, kommen Sie mühelos in den Alpha-Zustand.

Man war immer sehr interessiert daran, Menschen von der körpergerechten Atmung wegzubringen. Besonders beim Militär hat sich die Brustatmung bewährt, weil damit die Sensibilität für den Bruder Mensch untergraben werden konnte.



Atemübung

Sie sitzen mit geradem Rücken auf einem Sessel. Sie lehnen sich an. Beide Füße sind mit der ganzen Fußsohle am Boden. Ihr Bauch ist locker - nicht angespannt. Beide Hände liegen auf dem Nabel. Beim Einatmen lassen Sie den Unterbauch (jener Bereich unterhalb des Nabels) extrem locker, als würde er sich mit Luft füllen. Beim Ausatmen lassen Sie die Luft mit einem hörbaren "f" wieder los, die in Sie eingeströmt ist.

Damit üben Sie einmal nur die Bauchatmung. Wo immer Sie sich befinden, denken Sie tagsüber immer wieder daran, den Bauch locker und nicht angespannt zu haben. Als Negativversuch ziehen Sie den Bauch ein, dann werden Sie den Unterschied bemerken.

In diesem Lehrbrief sollen Sie zunächst Ihren lockeren Bauch pflegen. Für die Atmung heißt das, zunächst nur die Bauchatmung zu üben, ehe Sie lernen Bauch- und Brustatmung zu verbinden. Mit dieser einfachen Atemübung kommen Sie zu sich, werden Sie sich Ihrer selbst bewusst, das heißt Sie werden selbstbewusst und verändern Ihre Wahrnehmung, aber dieses Selbstbewusstsein kommt aus der richtigen Quelle, nämlich aus Ihrem Wesen und nicht aus dem was andere aus Ihnen für ihre egoistischen Zwecke machen wollen.

Für die Atmung durchlässig zu werden, bedeutet mehr als nur eine Atemübung machen. Diese so harmlos anmutende Übung hat eine große Wirkung in sich. Probieren Sie es aus!


Wolle die Wandlung.
Oh sei für die Flamme begeistert,
drin sich ein Ding dir entzieht,
das mit Verwandlung prunkt;
jener entwerfende Geist,
Welcher das Irdische meistert,
liebt in dem Schwung
nichts wie den wendenden Punkt.

Rainer Maria Rilke aus
"Sonette an Orpheus"









Kostenlose Lehrbriefe
2. Lehrbrief



Das schlafende Bewusstsein im Verhältnis von Gesundheit, Krankheit, Heilung und Selbstheilung möchte erwachen!

Der erste Lehrbrief ist mit der Frage ausgeklungen, welche Bewusstseinswirklichkeit ich mir zurechtgelegt habe, und inwieweit diese Illusion und Täuschung unterstützt und fördert oder nicht. Am Beispiel Atmung wurde gezeigt inwieweit die eingeschränkte Atmung (nur Brustatmung) Einfluss auf die Gehirntätigkeit ausübt und darüber hinaus Bewusstseinserweiterung nicht zulässt, und den Wahrnehmungs-fokus verengt (Beta-Zustand der Gehirnwellen).

Am Ende dieses Lehrbriefes finden Sie eine Übung, welche die kombinierte Atmung von Brust und Bauch lehrt. Diese Atmung bezeichnet man als Vollatmung. Wir wurden damit geboren und sie stellt die optimale Versorgung mit Sauerstoff dar, und nicht nur das, sie ermöglicht ein Durchlässigwerden für die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten. Bewusstseins-erweiterung kann stattfinden. Jener Bereich, in dem das eigene Bewusstsein fast lahmgelegt ist und schläft und das Höchstmaß an Zukunftsfähigkeit erst erobern muss, ist die Möglichkeit das Verhältnis zwischen Gesundheit, Krankheit und Heilung zu beeinflussen und bewusstseins-bildend zu durchleben. Aber was heißt das?

Wie schon die Instruktion über die Atmung gezeigt hat, und wie ich nur aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Stimmbildnerin bestätigen kann, so wird dem Körper zu wenig Beachtung geschenkt, außer wenn man krank wird. So wie viele Menschen ihre Atmung korrumpieren, so weitet sich dieser Prozess oft auf den ganzen Körper aus. Es kommt hinzu, dass die fortgeschrittene Pharmaindustrie Medikamente zur Verfügung stellt, die dem Körper sein Erproben der Selbstheilungskräfte abnehmen, bis niemand mehr an diese glaubt, weil man zu wenig Gelegenheit hatte sie kennenzulernen. Wenngleich nicht außer Acht gelassen werden darf, dass wir es der Pharmaindustrie verdanken, dass deren Medikamente oft lebensrettende Wirkung haben. Eine bemerkenswerte Tatsache eröffnet sich, wenn man bedenkt, dass der Standard der Gesundheitsversorgung in Europa sehr hoch ist und trotzdem eine noch nie da gewesene Höchstrate an Kranken hervorbringt. Irgendetwas scheint im Umgang von Gesundheit, Krankheit und Heilung nicht zu stimmen.

Wenn wir krank werden, und insbesondere bei einer lebensbedrohlichen Krankheit, suchen wir Hilfe bei einem Arzt, der über die Zusammenhänge im Körper mehr Wissen hat als wir. Das ist auch gut so. Jetzt beginnt ein Prozess, dessen Steuerung wir gerne dem Arzt überlassen, weil er es eben besser weiß, was zu tun ist. Aber genau hier ist eine Gratwanderung gefragt, nämlich dass Arzt und Patient auf gleicher Augenhöhe agieren, weil kein Arzt kann das fühlen, was der Patient durch seine Krankheit körperlich und seelisch erlebt.

Der mündige Patient ist also gefragt - das nennt man Patientenkompetenz. Damit die derzeitige "Es-Medizin", das bedeutet, dass fast alle Krankheiten - insbesondere die Krebserkrankung - mit einer gleichen Therapie - in dem Fall der Chemotherapie - behandelt werden, ohne Berücksichtigung z. B. einer "Gendermedizin", sich zu einer "Ich-Medizin" (individuelle Therapierung) entwickeln kann. Ein mündiger Patient sein heißt zunächst Informationen über seine Krankheit zu sammeln. Das ist nur der Anfang eines langen Weges, der über Auseinandersetzung, aktives Annehmen der Krankheit bis zur Miteinbeziehung der spirituellen Kräfte führt. Dieser Weg wird im Rahmen dieses Textes nur angedeutet, wenngleich er in der Gesprächsbegleitung einen großen Raum einnimmt.

Der internistische Onkologe Prof. Gerd Nagel, der vor 30 Jahren an einer unbekannten Form der Leukämie erkrankte und diese Krankheit überwinden konnte, sagt "Heilung ist für mich nicht ein Zustand, den es zu erreichen, sondern ein Weg, den es zu gehen gilt." Wenngleich jeder Patient natürlich gesund werden möchte und die Heilung nicht aus dem Auge verloren wird. Klüger wäre es, die Quellen der Gesundheit sprudeln zu lassen bevor man krank wird. Aber wer tut das schon! Zumindest kennenlernen sollte man diese Quellen, um im Fall einer Krankheit daraus schöpfen zu können.

Aber wie sind diese Quellen zu finden? Der Begriff Gesundheit lässt sich gar nicht so leicht definieren. Das klingt zwar seltsam, aber bei näherer Betrachtung fällt es schwer zu beurteilen, ob ein Mensch, der zehn verschiedene Medikamente pro Tag einnimmt und arbeits- und leistungsfähig ist, als gesund bezeichnet werden kann oder nicht. Im Gegenzug lässt die Stellungnahme des Dichters Christian Morgenstern aufhorchen, der über seine Krankheit, die Tuberkulose, sagt "Ja, ich leide an meinem Zustand, aber ich fühle mich nicht krank." Eine nachdenkenswerte Aussage begegnet uns hier. Auch die Größen des Geisteslebens der Vergangenheit, wie Goethe und Schiller, hatten mit den schwersten Erkrankungen zu kämpfen. Goethe litt 30 Jahre lang, seit seinem 53. Lebensjahr, an einer schweren Angina pectoris. Die Obduktion von Schillers Körper ergab ein erschütterndes Bild: Man fand die Lunge breiartig und ganz desorganisiert, das Herz ohne Muskelsubstanz, die Gallenblase und die Milz unnatürlich vergrößert, die Nieren in ihrer Substanz aufgelöst und völlig verwachsen. Wenn man bedenkt welche Werke diese beiden Größen der Sprache hervorgebracht haben, so fragt man sich wie das möglich ist - waren sie gesund oder krank?

Eines kann man mit Sicherheit sagen, dass Gesundheit kein stabiles Gleichgewicht darstellt, weil so viele Faktoren daran beteiligt sind, die immer ausbalanciert werden müssen. Wäre der Mensch nur Körper, nämlich Fleisch, Knochen, Muskeln, Sehnen, Haare usw., so wäre es einfach. Da der Mensch aus Körper, Emotionen (Seele) und Gedanken (Geist) besteht, so stellt sich das Unterfangen Stabilität schwieriger dar. Wo sind die Quellen der Gesundheit zu finden? Vielleicht in unseren Gedanken - wie wir denken? Ob wir alles schwarzmalen oder alles hellblau einfärben? Beides tut nicht gut. Oder sind es die Emotionen? Lebt der Choleriker gefährlicher als der Verdränger von Emotionen? Gedanken und Emotionen beeinflussen erwiesenermaßen in hohem Grad den Gesundheitszustand, gefolgt von den Umweltbedingungen.


Heilung

Heilung ist immer möglich, auch wenn die Medizin ein Leiden für unheilbar erklärt. Der Grund ist darin zu suchen, dass jede Krankheit einen individuellen Verlauf hat, weil jeder Mensch nämlich ein individuelles Wesen ist; aus diesem Grund spielt das Denken und Fühlen des Patienten eine große Rolle, in dem Ausmaß, in dem es der Selbstregulation dient und diese nicht behindert. Was ist Selbstregulation? Ein anderes Wort dafür ist Salutogenese. In die wissenschaftliche Welt wurde der Begriff von dem amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923 - 1994) eingeführt. Er untersuchte den Zusammenhang von Stress, Gesundheit und Wohlbefinden bei den Opfern nationalsozialistischer Verbrechen. Was waren die Eigenschaften von Menschen, die durch schwere Traumen gegangen waren und dennoch Jahre danach körperlich und seelisch gesund waren? Was hat diese Menschen gesund erhalten? Seine Untersuchungen ergaben Eigenschaften wie eine optimistische, vertrauensvolle und tatkräftige Lebenseinstellung. Aber nicht nur das, er spricht von einem Kohärenzgefühl, das er folgendermaßen definiert:

1. dass das Leben nicht chaotisch, sondern geordnet und erklärbar ist, auch wenn es sich nicht so darstellt,

2. man kann auf Ressourcen zurückgreifen, um die Anforderungen des Lebens zu bestehen, wie z.B. familiärer Rückhalt, ein soziales Netz, eine spirituelle Eingebundenheit, Gott usw.

3. die Grunderfahrung, dass es einen Sinn hat zu leben.


Selbstheilung

Selbstheilung ist ein sehr zukunftsorientiertes Thema. Niemand sollte sich überschätzen, indem er eine schwere Krankheit allein durch Selbstheilungskräfte zu bewältigen versucht. Aber auch hier gilt: Selbstheilungskräfte in sich zu entfalten ist möglich. Wenn man einmal beobachtet hat wie eine Wunde am Körper allmählich heilt, bekommt man eine Ahnung davon, welches Potential der Selbstheilung der Körper zur Verfügung stellen kann. Es darf nie vergessen werden, dass der Mensch mehr als seine Krankheit ist. Es beginnt schon damit, dass bei jeder Krankheit auch ein großer Teil des Körpers gesund ist. Man muss sich immer vor Augen führen, dass man nicht nur kranke, sondern auch gesunde Zellen hat, und das Gesunde kann noch gesünder werden, damit das Kranke daran wieder gesunden kann. Jeder Mensch verfügt über Kräfte, mit denen er seine Krankheit überwinden kann. Inwieweit das gelingt, hängt davon ab, in welchem Maß er sich dieser Kräfte bewusst wird, inwieweit er sie ausbilden und zur Wirksamkeit bringen kann. Menschen, die ein gesundheitliches Tief zum Anreiz nehmen, sich in einem nächsten Anlauf neue Anreize in Richtung Leben zu geben, können auch lebensbedrohliche Krankheiten überwinden.



Zum Abschluss die angekündigte Atemübung, die zur inneren Ruhe führen soll.

In der Ruhe kommt der Mensch zu sich,
wird sich seiner selbst bewusst - wird selbstbewusst



Übung:

Die Bauchatmung ist Ihnen schon vertraut: Einatmen heißt, den Bauch (Unterbauch) locker zu lassen, er wölbt sich nach vor.
Sie sitzen auf einem Stuhl, beide Füße im Abstand von ca. 20 cm voneinander stehen am Boden. Der Rücken ist gerade. Sie lehnen sich an die Sessellehne an. Die linke Hand liegt am Nabel, die rechte Hand liegt auf der Brust. Sie beginnen langsam laut von 10 - 0 zu zählen. Bei "zehn" atmen Sie aus, und die Restluft auf "f" lassen Sie gehen bis Sie keine Luft mehr haben. Der Bauch zieht sich beim Ausatmen von selbst immer mehr ein. Es wird eng im Bauch. Wenn Sie keine Luft mehr haben, schließen Sie den Mund und lassen die Enge im Bauch los. Die Luft wird als Reflex von selbst in Sie einströmen und wird vom Bauchraum auch in den Brustraum aufsteigen. Genauso verfahren Sie mit 9, 8, 7 ... bis 0. Sie können auch die Vorstellung benutzen, dass Sie eine Treppe hinuntersteigen (mit jeder Zahl eine Treppe). Die Zahl sollten Sie nicht stramm und angespannt sagen, sondern mit viel Luft aushauchen.



Am Schluss lesen Sie, wenn Sie wollen, folgendes Gedicht laut:

Ich trage Ruhe in mir,
Ich trage in mir selbst
Die Kräfte, die mich stärken.
Ich will mich erfüllen
Mit dieser Kräfte Wärme,
Ich will mich durchdringen
Mit meines Willens Macht.
Und fühlen will ich
Wie Ruhe sich ergießt
Durch all mein Sein,
Wenn ich mich stärke,
Die Ruhe als Kraft
In mir zu finden
Durch meines Strebens Macht.

                               (Rudolf Steiner)


Weiterführende Literatur:

Dr. Frank Meyer:
Besser leben durch Selbstregulation
Ein heilsamer Begleiter durch Gesundheit und Krankheit
Info Verlag 2011

Selbstheilungskräfte
Verlag Freies Geistesleben und Urachhaus GmbH
Stuttgart 2017





Kostenlose Lehrbriefe
3. Lehrbrief




Denken erlaubt? - Wiederholte Erdenleben verboten?

Der erste Lehrbrief hat daran erinnert, dass jeder Mensch über ein Gehirn verfügt, mit dem er denken kann oder könnte.

Dieser angestrebte Denkvorgang wird durch eine Atmung erleichtert, die dem Körper in natürlicher Weise eigen ist, die der Mensch aber auch zu seinem Nachteil verändern kann. Die krankhafte Entartung der kombinierten Bauch- und Brustatmung zur alleinigen Brustatmung ist damit gemeint, die dem Gehirn weniger Sauerstoff zur Verfügung stellt. Es braucht nicht gesagt zu werden, dass Denken nicht allein eine Sauerstoffangelegenheit ist, sondern Bewusstsein erfordert, das durch die körpergemäße Atmung gefördert wird und den Menschen zur inneren Ruhe und Sammlung führt.

Ich behaupte, dass das Denken heute in Verruf geraten ist, weil die Maschine scheinbar schnellere Antworten gibt als tagelanges Reflektieren. Jedoch die Maschine kann kein selbstständiges Denken hervorbringen, das die Domäne des Menschen ist und immer sein wird. Das selbstständige Denken muss wieder erlernt werden, es liegt im Tiefschlaf bei den meisten Menschen verborgen. Das dressierte Denken durch Fernsehen, Computer, Smartphone usw. sein Unwesen treibend, lässt den Menschen auf seinen größten Schatz vergessen: nämlich auf sein eigenständiges Denken und Reflektieren, das zu einem selbstbewussten Handeln führt, dem man nicht aus Zwang vor der Macht des Kollektivs gehorcht, sondern sich als konstruktiver, individueller Teil eines übergreifenden Menschenzusammenhangs begreift. Die Menschheit ist ein großer Organismus, in dem jeder seinen Beitrag leisten kann. Richtig verstandene Globalisierung kann diesen Vorgang unterstützen.

So wie das Herz im Organismus seine spezifische Aufgabe zu erfüllen hat, und es schwerwiegende Folgen hätte, wenn es sich plötzlich dem Diktat der Leber unterwürfe, so müsste jeder Mensch den Mut haben, seinen Platz innerhalb dieses Organismus Menschheit zu suchen und aufgrund seines eigenständigen Denkens zum freien Tun und Handeln zu entbinden. Dieser Gedanke ist zwar noch "Zukunftsmusik", aber die Zukunft beginnt immer im Jetzt. Denken ist nicht nur erlaubt, sondern für ein gelingendes Leben eine Voraussetzung.


Nicht immer war Denken erlaubt!

Wir leben in dem freien Europa, wo sich die Menschen durch langes Ringen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung erkämpft haben und ihr Denken laut aussprechen dürfen.

Wenn man in die Welt blickt, so ist es erschreckend in wie vielen Ländern freie Meinungsäußerung mit dem Kerker oder Tod bestraft wird. Wir haben uns in Europa daran gewöhnt, dass wir uns kein Blatt vor den Mund nehmen müssen, und aus diesem Grund wird wahrscheinlich so wenig Gebrauch davon gemacht zu Hinterfragen und zu Reflektieren.

Am 2. Juli 1592 stand einer, der laut dachte vor dem Inquisitionsgericht in Venedig:

Giordano Bruno, der Freigeist aus dem Dominikanerorden, der seine kosmische Philosophie verkündete, die ein begeistertes Bekenntnis für ein neues Zeitalter darstellte. Sein Denken über das Schicksal des Menschen nach dem Tod bildete darin den Schwerpunkt. Er bekannte sich eindeutig zu dem Glauben an wiederholte Erdenleben. Dieser Umstand kostete ihm sein Leben: Im Jahre 1600 wurde Giordano Bruno auf dem Campo dei Fiori in Rom verbrannt!

Das Leben in seiner Vielfalt ist so bunt, dass niemand gerne an den Tod denkt, und die Wenigsten sich die Frage stellen, was danach folgt. Für die Gestaltung des eigenen Lebens ist die Frage nach der eigenen Weltanschauung aber unabdingbar. Alles hängt davon ab, welches Menschenbild ich in mir entwickelt habe. Als Atheist und Materialist wird es schwerer sein, den eigenen Egoismus in mir in umsichtiges und soziales Handeln umzuwandeln. Begleitet mich in meinem Inneren die Überzeugung, dass jede meiner Taten ihren Ausgleich über viele Leben gesehen hinweg verlangt, so fällt es leichter verantwortungsvolles und umsichtiges Handeln zu praktizieren. Sich um ein Menschenbild zu bemühen ist der Angelpunkt des eigenen Lebensentwurfes.

Inwieweit eine Weltanschauung die Chance hat aus dem eigenständigen Denken zu erwachsen bleibt dahingestellt, weil die Macht der Medien sehr groß geworden ist, so dass es oft schwer ist, der Beeinflussung sich zu entziehen.

Die Übergangszeit, in der wir leben, in der ein "Menschenbild zu entwickeln" Luxus geworden ist, hält auch eine Chance bereit, nämlich sich vom Alten zu befreien, damit Neues entstehen kann. Die Leere auf dem weltanschaulichen Gebiet stellt somit eine Möglichkeit dar, dass Neues unbemerkt wachsen kann. So wie ein altes tibetisches Sprichwort sagt: "Der fallende Baum macht Krach. Der Wald wächst leise."

So soll auch der Gedanke der wiederholten Erdenleben in einer befreiten, neuen Form entstehen, in der der Mensch nicht mehr im Staub vor Gott auf Knien liegt, sondern er auf einer Augenhöhe mit einer transzendenten Kraft agiert. Auf spirituellem Gebiet ist in besonderer Weise ein neues Denken gefragt, das die Basis für alle Lebensbereiche darstellen soll. Nur von dieser Grundlage kann sich eine konsensfähige Ethik und ein spiritueller Humanismus aufbauen. Es steht aber auch fest, dass Neues nicht ganz von alleine entsteht und ein Denken und Ringen mit spirituellen Themen notwendig macht.


Entwürfe des gegenwärtigen Menschenbildes

Die Frage nach dem Menschenbild, das das Leben der Gegenwart bestimmt, lässt sich in drei Richtungen ausloten.

Die häufigste Vorstellung findet ihren Ausdruck in der Annahme, dass der Mensch ein höher entwickeltes Tier ist (Darwinismus). Der Stärkste soll sich durchsetzen. Nach dem Tod gibt es kein Weiterleben, weil der Mensch auf ein einziges Leben reduziert ist, und er im Nichts nach seinem Ableben verschwindet.

Die zweite Variante wird von den vier Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Islam und Judentum getragen. Den Menschen erwartet ein Weiterleben ohne physischem Leib nach dem Tod, und irgendwann senkt sich die Gnade der Göttlichkeit über ihn, und er ist von allen seinen Schwächen befreit.

Von diesem Menschenbild haben sich viele Menschen abgewandt, weil sie spüren, dass einem auch im Jenseits nichts geschenkt werden soll, weil Entwicklung des Geistes nur von einem selbst vollzogen werden kann. Was nützt es, wenn man ein Maturazeugnis geschenkt bekommt und nicht Lesen und Schreiben kann. Innerhalb dieser vier Weltreligionen ist der Buddhismus aber die einzige Religion, die davon spricht, dass der Mensch für seine Verfehlungen im Leben geradestehen muss und nichts geschenkt bekommt. Er spricht von Karma in vieler Hinsicht, nämlich, dass jede unangemessene Tat ausgeglichen werden muss. Davon leitet er die Berechtigung der wiederholten Erdenleben ab. Der einzige Wermutstropfen ist, dass der Buddhismus noch von keinem individuellen Wesenskern im Menschen spricht. Der Geist des Menschen kehrt nach vielen Läuterungen und Wiedergeburten als Tier, Pflanze oder Mensch gereinigt ins kollektive Geistwesen zurück.

Die dritte zurzeit in Bewegung gebrachte Gedankenform besteht darin, dass der Mensch nicht nur Körper und Gefühl (Seele) ist, sondern auch Geist, und dieser Geist will oder muss sich aus eigener Anstrengung, wie könnte es auch anders sein, entwickeln. Dass der Mensch ein individueller Geist ist, ist ein uraltes Wissen, das aber im Jahre 869 nach Christus im achten ökumenischen Konzil von Konstantinopel vom Katholizismus abgeschafft wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Mensch auf einen Körper und eine Seele reduziert. Der Illusion der Menschen über sich selbst wurde damit Tür und Tor geöffnet, und der Mensch konnte damit "klein" gehalten werden. Das geht heute nicht mehr, weil der Mensch immer mehr seine Individualität ahnt und durch demokratische Prozesse sein Mitspracherecht auch in spirituellen Dingen fordert.

So kann man sagen, dass ein kleiner Teil der Menschheit schon erwacht ist und sich als ewiger Geist versteht, der sich vervollkommnen will. Dieser Vorgang wurde in den alten Weisheitslehren immer als "Entelechie" bezeichnet. Da Entwicklung keine Angelegenheit eines Crash-Kurses ist, so ist der Glaube an wiederholte Erdenleben eine einsehbare und notwendige Folge.


Beweise?

Eines Tages habe ich entdeckt, dass in der Geschichte der Literatur von den frühesten Anfängen bis ins 20. Jahrhundert Schriftsteller, Philosophen und Dichter eindeutig mit ihrem Wort den Gedanken der wiederholten Erdenleben bezeugen. Eine große Hilfe dazu ist das Sachbuch von Emil Bock "Wiederholte Erdenleben", der sich als Germanist die Mühe gemacht hat deutschsprachige Literatur auf diesen Aspekt hin zu untersuchen. Es braucht nicht betont zu werden, dass der Begriff "Wiederholte Erdenleben" nicht von einem Leben spricht, das ständig wiederholt wird, sondern die ständige Wiederverkörperung des Geistes und des individuellen Wesenskernes darstellt.

Emil Bock: Wiederholte Erdenleben. Verlag Urachhaus - 1996

Hier bin ich fündig geworden, und ich möchte Ihnen seine Ergebnisse als Beweis erbringen, dass dieser Gedanke immer im Menschen gelebt hat, bis eine einseitig orientierte Naturwissenschaft, die Materie und Geist getrennt hat - auch mechanistische Naturwissenschaft genannt, ihn abgeschafft hat. Interessant ist die Tatsache, dass die fortgeschrittene Naturwissenschaft - holistische Naturwissenschaft genannt - die auch unter dem Namen Quantenphysik bekannt ist, dem Gedanken der wiederholten Erdenleben eine Grundlage ermöglicht. Warum ist das so? Wenn die holistische Naturwissenschaft beweist, dass Materie und Geist nicht getrennt sind beziehungsweise beweist, dass es keine Materie gibt, so hat das revolutionäre Folgen für das Denken und Selbstbild des Menschen. Selbst alle großen Naturwissenschaftler haben bei ihrer Erforschung der atomaren und subatomaren Welt die seltsame Wirklichkeit kennenlernen müssen, dass ihnen die Materie zwischen den Fingern zerrann, und die Verbundenheit aller Phänomene in einem komplexen Netz von Beziehungen zur neuen Wirklichkeit wurde.


Quantenphysik

Die Vorstellung, dass sich der Geist eines Menschen immer wieder neu verkörpern kann, braucht eine Voraussetzung, nämlich die Annahme, dass der menschliche Geist unsterblich ist. Wie schon erwähnt gehen alle vier Weltreligionen davon aus, dass der physische Tod nicht das Ende der menschlichen Existenz darstellt.

Interessant ist die Frage, woher die großen Weltreligionen dieses Wissen haben, das mit Sicherheit auf Wahrheit beruht und das man aber nur glauben oder nicht glauben kann. Umso erfreulicher ist es, die Wissenschaft als Helferin heranziehen zu können, um den bis jetzt unbeweisbaren Glauben in Wissen zu verwandeln. Welchen Beitrag kann die Quantenphysik dazu leisten?

Wie schon erwähnt verhält sich diese winzig kleine subatomare Welt der Elektronen und Photonen überhaupt nicht wie die klassische Physik Newtons. Es stellte sich heraus, dass das Atom aus 99,99999..% leerem Raum besteht! Doch dieser Raum ist in Wirklichkeit gar nicht leer, weil er aus Energie besteht. Dieses riesige Spektrum an Energiefrequenzen bildet eine Art unsichtbares, zusammenhängendes Informationsfeld. Wenn jedes Atom aus 99,99999..% Energie und Informationen besteht, dann setzt sich auch das Universum, egal wie fest es uns erscheinen mag, aus Energie und Information zusammen. Wo soll demnach die Trennung zwischen Materie und Geist beheimatet sein?

"Das physische Universum mag aussehen als bestünde es nur aus Materie, doch in Wahrheit benützt es ein gemeinsames Informationsfeld (das Quantenfeld) welches Materie und Energie so eng vereint, dass man sie unmöglich als getrennte Entitäten betrachten kann. Alle Partikel sind in einem immateriellen, unsichtbaren Informationsfeld jenseits von Raum und Zeit miteinander verbunden und dieses Feld besteht aus Bewusstsein (Gedanken) und Energie (Frequenz - Schwingungsgeschwindigkeit)."
Diese Gedanken können Sie nachlesen in:

Dr. Joe Dispenza. Du bist das Placebo. 2014 Kotta-Verlag. S.226

Materie ist durch einen bestimmten niedrigen Schwingungszustand geronnenes Bewusstsein. Zeit und Raum machen es möglich durch niedrigere und langsamere Frequenzen Geist als etwas scheinbar Festes sichtbar zu machen, das wir als Materie bezeichnen. Wenn der Tod die Schwingungsfrequenz der Materie verändert und diese wieder in Bewusstsein zurückführt, und sie somit unsichtbar macht, so heißt das nicht, dass der Geist des Menschen erloschen ist. Nicht jede Bewusstseinsqualität, die auf der Erde erworben wurde kann in der höheren Frequenz des Geistes überleben. Der Mensch muss beim Tod vieles zurücklassen. Es lässt sich also durch die Quantenphysik beweisen, dass der Tod nicht das Ende der Wege des Menschen ist. Nach dem Tod bereist der menschliche Geist das für unser irdisches Auge unsichtbare Universum mit seinen vielfältigen Wesen und Helfern des Menschen. Sein Blick weitet sich für die eigene Unvollkommenheit und so wächst nach einiger Zeit das Bedürfnis wieder auf die Erde zurückzukehren. Zum einen, um seine Verfehlungen auszugleichen, zum anderen, um an der Entwicklung der Erde wieder mitzubauen. Ausführliche Literatur finden Sie dazu z.B. bei:

Rudolf Steiner: Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. In: Rudolf Steiner Gesamtausgabe. Rudolf Steiner Verlag. Basel

Wenn Denken erlaubt ist, so ist es absolut einleuchtend, dass eine so hoch entwickelte Spezies wie der Mensch eine ist, nicht nach einem Leben verdampft und für ewig verlöscht. Es wäre pure Verschwendung der schöpferischen Anstrengung, welche die Entwicklung des komplexen Menschen über Millionen Jahre ermöglicht hat. Darüber hinaus strebt alles einem Ziel und einem Sinn zu. Es gibt keinen Stillstand im Universum, alles entwickelt sich weiter und ist ständig in Bewegung. Die Vorstellung, dass der Geist des Menschen nach dem Tod untätig wäre und passiv wartet bis er Erlösung findet, scheidet somit aus.


Dichter und Schriftsteller bezeugen in ihren Werken
den Gedanken der wiederholten Erdenleben

Die Vorstellung vom Wesen des Menschen unterliegt in den einzelnen Menschheitsepochen den unterschiedlichen Gestaltungen. Wenn man die frühen Aufzeichnungen der deutschen Sprache betrachtet, nämlich die Götter- und Heldenlieder der Edda, so kommt man aus dem Staunen nicht heraus, wie selbstverständlich die Menschen mit dem Gedanken der wiederholten Erdenleben gelebt haben. So wird zum Beispiel das tragische Schicksal der Brünhilde, darin zum Ausdruck gebracht, dass Hagen die Rache an ihr folgendermaßen auslebt, dass er alles dazu beiträgt, dass sie sich nicht mehr weiter in der Zukunft verkörpern kann. Er spricht diese Fluch ähnlichen Worte aus, die man in der Edda nachlesen kann: "Erfüllen möge sich ihr finsteres Geschick! Verleide ihr keiner den langen Weg, und verweigert sei ihr ewig die Wiedergeburt!" 1

Auch aus der altsächsischen Helianddichtung (Anfang des 9. Jahrhunderts nach Christus) geht hervor, dass der Gedanke der wiederholten Erdenleben ein Bestandteil einer selbstverständlichen Lebensüberzeugung gewesen ist.

"... Er schwindet oder wächst... (es ist der Mond gemeint) ..." So auch tun in dieser unserer Welt, in diesem Mittelgarten die Menschenkinder; sie fahren dahin und folgen; zu Männern wachsen sie heran, bis sie wieder dahingerafft werden." 2

So lebt dieser Gedanke sich auch weiter in Märchen aus, wie zum Beispiel in "Frau Holle", oder auch in "Von den zwölf Aposteln" der Brüder Grimm. Einer der letzten in dem die Volksweisheit der Märchen weitreichend zur Wirksamkeit gelangen konnte war Peter Rosegger (1843-1918). In seinem bekanntesten Buch "Mein Himmelsreich" im letzten Kapitel mit dem Namen "Sonnenschein" heißt es: "Und der Mensch sinkt als Vater zu Grabe. Und steht als Kind wieder auf." 3 Im weiteren Gang der Geschichte ließen sich noch unzählige Beispiele anführen, dass der Gedanke der Wiederverkörperung nichts Außergewöhnliches im Denken dargestellt hat, und von Schriftstellern immer wieder aufgegriffen wurde.

Ein paar Beispiele der großen Denker seien erwähnt, wie zum Beispiel Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). In seinem Werk "Erziehung des Menschengeschlechts" wird das ernste Gewicht spürbar, das Lessing der Idee der wiederholten Erdenleben beigemessen hat. 4

Friedrich Schiller hat in vielen Andeutungen auf die Wiederverkörperung hingewiesen - zum Beispiel lässt der jugendliche Geist Schillers in seiner Dissertation "Erziehung des Menschengeschlechts" aufhorchen, wenn er sagt: 5 "Die Materie zerfährt in ihre letzten Elemente wieder, die nun in anderen Formen und Verhältnissen durch die Reiche der Natur wandern. Die Seele fährt fort, in anderen Kreisen ihre Denkkraft zu üben und das Universum von der anderen Seite zu beschauen. Man kann freilich sagen, dass sie diese Sphäre im Geringsten noch nicht erschöpft hat, dass sie solche vollkommener hätte verlassen können, aber weiß man dann, dass diese Sphäre für sie dann verloren ist? Wir legen itzo manches Buch weg, das wir nicht verstehen, aber vielleicht verstehen wir es in einigen Jahren besser." 6

Ein sehr eindeutiger Hinweis auf wiederholte Erdenleben lässt er seinen Protagonisten Karl Moor in "Die Räuber" aussprechen. Es ist in dem Selbstmordmonolog gegen Ende des vierten Aktes, als Karl Moor dem namenlosen Jenseits die Frage stellt: "Oder willst du mich durch immer neue Geburten und immer neue Schauplätze des Elends von Stufe zu Stufe zur Vernichtung führen?" 7

  1 Emil Bock: Wiederholte Erdenleben, Verlag Urachhaus, 1996, S.20
  2 Emil Bock S.21
  3 Emil Bock S.28
  4 Emil Bock S.45
  5 Emil Bock S.47
  6 Emil Bock S.47
  7 Emil Bock S.49

Der Ausflug in die Literaturgeschichte soll durch den hoffnungsvollsten Träger der Wiederverkörperungsidee einen krönenden Abschluss finden: Er ist Johann Wolfgang von Goethe gewidmet.

Wenn sich jemand nicht aus Studiengründen mit J. W. v. Goethe beschäftigt oder aus rein persönlichem Interesse, so wird dieser Name kaum weitere Assoziationen wecken. Auch ist das Bild, das viele von diesem großen Dichter haben, ein völlig verzerrtes. Er wird als Schicksalsgünstling angesehen, dem alles in den Schoß fiel. Dem war nicht so! Im Gegenteil: Er kam als Totgeburt auf die Welt, und nur durch Hebammenkunst und durch einen starken Lebenswillen gelang es, ihn ins Leben zu rufen. Im 20. Lebensjahr bedroht eine beängstigend anwachsende tuberkulöse Geschwulst sein Leben, die von einem Wunderheiler kuriert werden konnte. Nicht genug der gesundheitlichen Probleme, die er in jungen Jahren zu überwinden hatte. Als er 21 Jahre alt war erleidet Goethe eine Lungentuberkulose, die gefürchtetste Krankheit des damaligen Zeitalters. Auch diese konnte er überwinden. Dann kehrt langsam Ruhe ein in seinem Gesundheitszustand, der aber immer als äußerst labil bezeichnet werden konnte.

Mit 49 Jahren erleidet er eine fieberhafte Gesichtsneurose, die ihn neun Tage in eine beinahe Bewusstlosigkeit mit Erstickungsgefahr versetzte, die er schließlich wieder bewältigen konnte. Aber ab seinem 52. Lebensjahr konnte sich Goethe seine Gesundheit nie mehr erringen. Er erkrankte an Nierenkoliken und sein tuberkulöses Lungenleiden erwachte wieder. Zusätzlich verbanden sich hypochondrisch-depressive Verstimmungen mit seinem alten Leiden. Mit 74 Jahren stellt sich eine ernste Herzkrankheit ein, die mit schweren Anfällen einherging, und ihn nie mehr verlässt, bis er 83-jährig die irdische Welt verlässt.

Dieser kränkelnde Goethe, der mit den höchsten politischen Ämtern nicht nur voll im Leben stand, sondern auch ein reiches literarisches Schaffen zustande brachte, und der die Dichtung mit Ewigkeitsanspruch, nämlich Faust 1 und Faust 2 verfasste, hat sich am radikalsten von seinen Zeitgenossen zur Lehre der wiederholten Erdenleben bekannt. Wobei der Schluss nicht zulässig wäre, dass die vielen Krankheiten und Schicksalsschläge wie der frühe Tod seiner Frau und der Selbstmord seines Sohnes zu einer Flucht in unrealistische Träume geführt hätten. Goethe stand mit beiden Beinen fest auf der Erde und duldete träumerische Hirngespinste am wenigsten.
Die platonische Beziehung, die der 27-jährige Goethe zu der verheirateten und 10 Jahre älteren Frau von Stein unterhielt, ist geprägt von seinem Lebensgeheimnis, das er in seiner Jugend in sich trug, nämlich dem Gedanken der Wiederverkörperung.
An Charlotte von Stein schreibt er im Juli 1776:

"...Sag, was wird das Schicksal uns bereiten?

Sag, wie band es uns so rein genau?

Ach, du warst in abgelebten Zeiten

meine Schwester oder meine Frau.

Und von allem dem schwebt ein Erinnern

Nur noch um das ungewisse Herz,

Fühlt die alte Wahrheit ewig gleich im Innern,

Und der neue Zustand wird ihm Schmerz..."


Charlotte von Stein nimmt diese Gedanken nicht sehr ernst, und diese sind es, die schließlich ihre Verbindung lösen. Diese Anschauungsverschiedenheit lag darin begründet, dass die Erde Frau Stein nicht gut genug erschien, um sie als Schauplatz der Unsterblichkeit betrachten zu können. Noch einmal versucht Goethe in seinem Gedicht "Gesang der Geister über den Wassern" die Freundin für diesen Gedanken zu gewinnen.

"Des Menschen Seele

Gleicht dem Wasser:

Vom Himmel kommt es,

Zum Himmel steigt es,

Und wieder nieder,

Zur Erde muss es,

Ewig wechselnd."


Das Schreiten des Menschenwesens durch die Reihe der Verkörperungen bleibt ihr trotzdem ein fremder Gedanke, der die Entfremdung der beiden nur noch verstärkt. Aber im späten Alter als Goethe und Charlotte von Stein sich wieder befreundet gegenüberstanden, hat sie schließlich doch eine Wendung ihrer Ansichten im Sinne Goethes ausgedrückt. 8

Auch in "Die Wahlverwandtschaften" offenbart Goethe diesen Gedanken sehr unverhüllt. In den bedeutungsvollen Gesprächen im zweiten Teil über den Sinn der Friedhöfe und Grabsteine heißt es: "Ziehen wir uns nicht morgens an, um uns abends wieder auszuziehen? Verreisen wir nicht, um wieder zurückzukehren? Und warum sollten wir nicht wünschen, neben den Unsrigen zu ruhen, und wenn es auch nur für ein Jahrhundert wäre..." 9

Am Begräbnistag von Martin Wieland am 25.01.1813 begann Goethe ein denkwürdiges Gespräch mit dem mit ihm befreundeten J.D. Falk, in dem er folgende Worte findet: "Ich würde mich so wenig wundern, ..., wenn ich diesem Wieland, als einem Stern erster Größe, nach Jahrtausenden wieder begegnete und sähe und Zeuge davon wäre, wie er mit seinem lieblichen Lichte alles ... erquickte und aufheiterte. Ich bin gewiss, wie Sie mich hier sehen, schon tausendmal dagewesen und hoffe wohl noch tausendmal wiederzukommen" 10

Was in den alten Weisheitslehren immer schon Gewissheit war und in Vergessenheit geraten ist, nämlich dieser Gedanke der wiederholten Erdenleben, leuchtet bei den genannten Künstlern noch einmal auf, wobei die Zahl derer ein ganzes Buch füllen würde. Ich habe mich nur auf wenige Beispiele beschränkt. Der Gedanke der wiederholten Erdenleben verschwindet allmählich Ende des 20. Jahrhunderts, um von einer anderen Seite im 21. Jahrhundert Unterstützung zu bekommen, mit der niemand gerechnet hat, nämlich von der Naturwissenschaft.

  8 Emil Bock S.73
  9 Emil Bock S.77
 10 Emil Bock S.70




Die Naturwissenschaft als Bahnbrecher für ein spirituelles Weltbild

Der berühmte Physiker Hans-Peter Dürr, Mitbegründer der Quantenphysik Werner Heisenbergs und als dessen Nachfolger er das Max-Planck-Institut für Physik, sowie das Werner-Heisenberg-Institut in München leitete, lehrt uns den Standpunkt der modernen Physik, nämlich, dass es keine Materie gibt, sondern nur Geist, weil die Materie gleichsam die Schlacke des Geistigen ist.

"In unserer begrenzten, menschlichen Wahrnehmung nehmen wir diese Schlacke, da wir sie mit Händen greifen können, jedoch viel wichtiger als das geistig Lebendige..."

"...Die neue Physik hat erkannt, dass die Materie nicht das Fundament unserer Wirklichkeit ist ... Materie besteht also nicht aus Materie."

"Das Fundament der Wirklichkeit enthüllt sich als etwas zutiefst Spirituelles..." 11
Unterstützung erhält der Gedanke der wiederholten Erdenleben von der Quantenphysik insofern, dass naturwissenschaftlich beweisbar wurde, dass es keine Materie gibt, sondern das Fundament der Wirklichkeit der Geist ist. Wenn der Mensch nicht Materie ist, sondern Geist, und dieser Geist eingebettet ist in einem unteilbaren Kosmos, der Verbundenheit zu allen, die ihm angehören zum Gesetz hat, dann ergeben sich weitreichende Möglichkeiten der Entwicklung für den Menschen.

Nach dem Tod verschwindet der Geist der Menschen nicht, er kann gar nicht verschwinden, weil er unauflösbar im Transzendenten, das eine Einheit und keine Zweiheit (Materie und Geist) ist, verankert ist. Es ist nicht anzunehmen, dass er in dieser Einheit zum Nichtstun verurteilt ist. Als Teilhabende an diesem Kosmos der Einheit, erwächst uns auch die Verantwortung für diese Welt, die uns immer wieder als aktiv Gestaltende der Zukunft auf die Erde zurückruft.

11 Hans-Peter Dürr: Teilhaben an einer unteilbaren Welt. Das ganzheitliche Weltbild der Quantenphysik.
    In: Gerald Hüther und Christa Spannbauer (Hrsg.), Connectedness. 2012 Verlag Hans Huber Bern

Der neunzehnjährige Dichter Christian Morgenstern (1871-1914) hat diesen Gedanken in poetischer Form folgendermaßen ausgedrückt:

"Wie oft wohl bin ich schon gewandelt

auf diesem Erdenball des Leids,

wie oft wohl hab ich umgewandelt

den Stoff, die Form des Lebenskleids?


Wie oft mag ich schon sein gegangen

durch diese Welt, aus dieser Welt,

um ewig wieder anzufangen,

von frischem Hoffnungstrieb geschwellt?


Es steigt empor, es sinkt die Welle,

so leben wir auch ohne Ruh;

unmöglich, daß sie aufwärts schnelle

und nicht zurück - dem Grunde zu."










Kostenlose Lehrbriefe
4. Lehrbrief

Die Täuschung über den Tod durchschauen

Geburt und Tod sind die beiden Ereignisse im Leben, die uns ausnahmslos mit jedem Menschen gemeinsam sind. Keinem Menschen bleibt der Tod erspart. Von der Geburt weiß unser Bewusstsein wenig, hingegen die Unabdingbarkeit von Tod und Sterben dem Bewusstsein nicht verborgen bleiben können.

Wenig weiß der Mensch von seiner Kindheit. Erst wenn die Selbständigkeit erwacht und das Selbstbewusstsein um sich greift, um die Möglichkeit zu geben selbst gestaltend das Leben in die Hand zu nehmen, erwacht auch die lebenslange Erinnerung daran. So werden dem Menschen viele Jahrzehnte geschenkt, in denen er sich als Gestalter und uneingeschränkter Herrscher über sein Leben erleben kann und möchte. Hie und da funken Schicksalsschläge herein, die daran erinnern, dass vielleicht doch noch eine übersinnliche Macht - eine Transzendenz - am Leben des Menschen beteiligt sein könnte, aber diese wird nicht in dem Sinne vom Menschen gedeutet. Zufall nennt er es, obwohl es keine Zufälle gibt.

Umso älter der Mensch wird, umso mehr muss er seine Selbstbestimmung wieder aus der Hand geben: Wer kann das Altern aufhalten, wer kann sich Krankheiten aussuchen, wer kann den Zeitpunkt seines Todes bestimmen? Eine Fülle von Unberechenbarkeiten stürzt plötzlich auf den Menschen ein. Was ist naheliegender als zunächst einmal diese Störenfriede zu verdrängen; diesen Weg wählen viele Menschen. Der Mensch ist überfordert, weil er nur ein materialistisches Weltbild, das ihm keine Antworten darauf gibt, in sich vorfindet.

Was tun wir nicht alles um dem Tod zu entfliehen? Kein Zeitalter hat den Tod so perfekt verdrängen können, wie das unsere. Man stirbt ungesehen in Spitälern, oder man verlagert das geplante Sterben nach Holland oder in die Schweiz, wo Sterbehilfe gang und gäbe ist. Fast jeder Mensch empfindet es als die größte Niederlage, so scheint mir, vor dem Tod in die Knie zu gehen und aufgeben zu müssen.

Die alten Weisheitslehren behaupten, dass der Tod das erhabenste und glücklichste Erlebnis des Menschen im Leben darstellt, weil der Sieg des Geistes über die Materie erlebbar wird. Wenn der Mensch seinen Leib ablegt, merkt er plötzlich, dass sein Geist überlebt hat, und das ist der größte Triumph, den der Mensch erleben kann. Er ist unsterblich, ewig, es kann ihn nichts vernichten.
Das alles klingt zugegebenermaßen eher nach einer Provokation, als nach Wahrheit. Viele Menschen verwenden daher den beliebten Satz: "Es ist noch keiner aus dem Jenseits zurückgekommen und hat uns erzählt, dass wir unsterblich sind." Trotzdem haben die Weisheitslehren von früher um die Täuschung über den Tod gewusst. Wieso gibt es zu verschiedenen Zeiten und Menschheitsepochen verschiedene Einstellungen zum Tod? Der Mensch des heutigen Zeitalters glaubt alles zu wissen und alles unter Kontrolle zu haben. Er weiß aber im Grunde gar nichts, weil er das spirituelle Weltbild aus seinem Leben verdrängt hat. Die Folgen sind fatal.

Ich glaube, es ist eher das Sterben, als der Tod, das die eigentlichen Ängste verursacht. Meistens ist das Sterben mit viel Leid und Schmerz verbunden, obwohl die heutige Medizin, die Schmerzlinderung betreffend, uns sehr hilfreich zur Seite steht. Das Sterben ist mit den Geburtswehen vergleichbar, und diese sind bekannterweise sehr schmerzhaft. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass der Mensch auf das Sterben und den Tod nicht vorbereitet ist. Die Täuschung, die das materialistische Weltbild erzeugt, trägt das Ihre dazu bei. Ein total verängstigter Mensch bewegt sich auf das wahrscheinlich wichtigste und höchste Ereignis in seinem Leben zu, nämlich den Tod, aber ein von sich selbst betrogener Mensch steht vor uns.

Wissen und Aufklärung führt zum Erkennen des wahren Sachverhaltes. Darum geht es in diesem Lehrbrief. Ich habe mein Wissen aus den Büchern von Rudolf Steiner bezogen, die jedermann zur Verfügung stehen. Bislang gab es kaum einen Autor, der so genau und ausführlich den Weg der Seele nach dem Tod in den übersinnlichen Welten in einer Vielzahl von Büchern beschrieben hat.

Das Sterben ist im Vergleich zur Geburt ein höherer individueller Vorgang. Jeder Mensch stirbt auf seine eigene Weise, obwohl wir es nicht bewusst wählen können. Ausgenommen ist der Selbstmord. Im natürlichen Sterben haben wir mit der Natur viele Gemeinsamkeiten: Wir welken langsam dahin wie die Blätter im Herbst. Langsam heißt die Devise, das Leben zieht sich langsam zurück und verlangt vom Betroffenen, dass er die Selbstherrlichkeit seiner vergangenen Jahre umwandelt in Hingabe an seine transzendente Kraft, die mehr weiß als er selbst. Das Nichtwissen um das Eintreten des Todes ist das größte Geheimnis des Lebens, dem der Mensch keine Aufmerksamkeit schenkt, weil die Angst davor so groß ist.

Die wichtigste Frage lautet daher, wie der Mensch in dieser Lebensphase als Gewinner hervorgehen kann, indem er Erfahrungen macht, die ihn bereichern. Das erste ist, sich als Täter und nicht als Opfer zu fühlen. Was heißt das?

Der 3. Lehrbrief hat gezeigt, dass mehrere, viele, unendlich viele Leben an der Entwicklung des individuellen Geistes arbeiten. Nicht aus Zufall betreten wir ein neues Leben. Es wird in der übersinnlichen Welt lange von einem selbst mit Hilfe der geistigen Welt vorbereitet. Welche irdischen Bedingungen, welches Elternpaar ermöglichen es, der Seele am besten ihre nächsten Stufen der Entwicklung zu erreichen? Die Seele wird zu nichts gezwungen, sie kehrt freiwillig auf die Erde zurück, um an sich und der Erde zu arbeiten. Vor dem Eintritt in den Mutterleib überschaut sie das Leben, das sie erwartet und das sie gewählt hat. Sie ist Täter und nicht Opfer des Bevorstehenden. Das bedeutet auch, dass sie einmal zugestimmt hat, wie sie ihr Leben beenden wird. Jeder Mensch kann sicher sein, dass das Leid oder das langsame Sterben von ihm gewählt war, zumal solche Umstände oft viele Lernmöglichkeiten enthalten. Diese vorgeburtlichen Willenskräfte liegen aber tief im Menschen verborgen und er erinnert sich kaum daran, weil der irdische Wille an deren Stelle tritt, mit dem der Mensch das tägliche Leben meistern muss. Trotzdem ist der vorgeburtliche, unbewusste Willensimpuls stärker, er führt unbewusst durch das Leben. Zugegebenermaßen sind solche Gedanken nicht leicht zu verstehen, aber sie sind wahr. Es wird notwendig werden, den Begriff der Wirklichkeit nicht nur von der irdischen Seite zu erforschen, sondern auch die andere Seite, die nicht sichtbare Welt miteinzubeziehen.

Im Moment erfassen wir mit unseren üblichen Gedankengängen nur die eine Hälfte der Wirklichkeit, nämlich jene, die mit Händen greifbar ist. Die Probleme des einundzwanzigsten Jahrhunderts stellen die Menschheit vor unlösbare Aufgaben, wenn sie ihr Denken in Bezug auf die Wirklichkeit nicht ändert. Dieses gängige Wirklichkeitsbild ist bis in den Grund hinein falsch. Aber woher soll der Mensch seine Informationen über diese zweite Hälfte der Wirklichkeit, nämlich die der übersinnlichen Welt- einer Welt, die nicht mehr mit den physischen Sinnen erfahrbar ist, beziehen? Vorsicht geboten ist bei allen Praktiken, die mit "Tischerlrücken" zu tun haben. Bei diesem Vorgang werden verstorbene Menschen angerufen. Auch ist dem "Channeling" gegenüber höchste Wachsamkeit angesagt. Der einzig seriöse Weg geht über das denkerische Erfassen der übersinnlichen Welt mit Hilfe von Information. Aus diesem Grund kann ich nur wieder auf das Werk von Rudolf Steiner hinweisen, der durch lange Schulung ein übersinnliches Schauen in sich entwickelt hat. Der andere Informationsweg führt über die Naturwissenschaft und steht dem heutigen, modernen Menschen als Einstieg zur Verfügung.

Wenngleich die alten mystischen Religionen schon immer gelehrt haben, dass es keine Dualität gibt, sondern nur eine Einheit, "Advaita" genannt, die Menschheit hat es vergessen. Jetzt im 21. Jahrhundert wird sie wieder erinnert an diese uralte Weisheit, nämlich von einer Seite, die niemand vermutet hat: von der modernen Naturwissenschaft, der Quantenphysik. Auch hier gibt es keine getrennten Teilchen, die für sich selber bestehen könnten. Das Gesetz der Einheit regiert auch dort. Aus diesem Grund wird der Mensch die beiden Teile sinnlicher und übersinnlicher Welt wieder zusammenführen müssen, um der Wirklichkeit gerecht zu werden. (Genauere Ausführungen im Lehrbrief 3) Wenn der Tod die sinnlichen, sichtbaren Bausteine des Leibes in unsichtbare überführt, aus denen der Leib entstanden ist, so kann es nicht mehr gültig sein diesen übersinnlichen Teil für null und nichtig zu erklären.

Die zweite Hälfte der Wirklichkeit muss beim Verschwinden der sinnlich sichtbaren Anteile des Leibes mitgedacht werden, weil sie vorhanden ist. Meistens fühlt der Mensch sich in der Sterbephase wertlos, weil sein Leib hinfällig geworden ist, und die Aussicht auf den Tod verleiht ihm ein Gefühl der Wertlosigkeit. Dem ist aber nicht so. Die Geistesforschung weiß, dass der Leichnam des Menschen - egal ob durch Verbrennung oder durch eine Erdbestattung - wertvolle Kräfte enthält, ohne die die Erde nicht überleben könnte! Wieso ist das möglich?

Bei der Geburt baut der Mensch aus den Bausteinen der Erde und aus der Erbsubstanz seiner Eltern seinen physischen Leib auf, und dieser gewinnt eine Form. Dieser physische Leib bringt bereits Anlagen zu unsichtbaren, feinstofflichen Körpern mit, die Ätherleib, Astralleib und ICH (nicht Ego) genannt werden. Diesen physischen Leib durchdringt der Mensch in seinem Leben mit seiner Seele und seinem Geist mithilfe der feinstofflichen Körper. Am Ende des Lebens hat er ein Gefäß daraus gemacht, das ganz und gar durchdrungen ist von seiner geistigen Substanz, die er dem Leben abringen konnte. Dieselbe schenkt er bei seinem Tod der Erde. Die Erde kommt mit dem Leichnam gar nicht direkt in Berührung. Auch die Asche ist in einer Urne und zeigt keine physische Berührung mit der Erde. Es ist ein total übersinnlicher Prozess, der stattfindet, wenn die Erde die Information des Leichnams mitgeteilt bekommt und aufnimmt. Eine wesentliche Rolle spielen bei diesem Vorgang die genannten feinstofflichen Leiber, die ihren kostbaren Inhalt freigeben, wenn sie sich vom physischen Leib gelöst haben.


Diesen Vorgang können Sie nachlesen in: Rudolf Steiner "Alt werden", Ausgewählte Texte, herausgegeben und kommentiert von Franz Ackermann, Rudolf Steiner Verlag, Basel 2018.

In diesem Nichtwissen über den übersinnlichen Vorgang lässt sich schon erahnen, dass wir eine total eingeschränkte Sicht auf die Wirklichkeit haben.

Die Quantenphysik bestätigt die genannten Ergebnisse der Geisteswissenschaft und nimmt zu diesem Vorgang folgendermaßen Stellung:

"Angesichts des Endes des Dualismus zwischen Materie und Bewusstsein bzw. Geist durch die Quantenphysik liegt es nahe auch für existenzielle Tiefenerfahrungen, sowie spirituelle und religiöse Erfahrungen einen passenden Platz im komplexen Gefüge unseres Daseins zu suchen."

"... alle Bewusstseinsvorgänge sind mit einem dichten, unser ganzes Universum durchdringenden Netz elektromagnetischer Wellen eingebettet und unser Weltall ist erfüllt von einem immensen, pulsierenden, ineinander schwingenden Komplex von Energiefeldern. Photonen als Informations- und Bewusstseinsträger sind ein naturwissenschaftliches Faktum."



Nachzulesen sind diese Gedanken in:

Frido Mann und Christine Mann "Es werde Licht" Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik. S. Fischer Verlag, 3. Auflage, Juli 2017, S. 190

Es wird höchste Zeit dem Menschen seine wahre Bedeutung zurückzugeben, die er an der Entwicklung der Erde und an sich selbst zu erfüllen hat. Er wird sich dann der Verantwortung bewusst werden und sein zerstörerisches Werk an der Erde beenden, weil er weiß, dass er sich damit nur selbst vernichtet und darüber hinaus die Erde.

Das alte Menschenbild muss abgelöst werden von einer realistischen, aufgeklärten Sicht auf den Menschen und es soll dem Menschen seinen wahren Wert wieder bewusst machen. Der Mensch ist ein Geheimnisträger. Diese Geheimnisse verlangen Wissen, Verehrung, Staunen und Begeisterung, um die menschliche Größe der Seele wieder zu erkennen und zu würdigen.

Dieses berichtigte, geistorientierte Bild von einem Menschen lässt auch Sterben und Tod in einem anderen Licht erstehen: Der Mensch ist kein wertloser Klumpen Fleisch wenn er stirbt, sondern ein wertvolles Gefäß, angereichert mit der Fülle seiner Lebenserfahrungen. Diesen kostbaren Inhalt übergibt er der Erde bei seinem Tod, und ohne diese könnte die Erde nicht überleben! Dann tritt der Mensch seinen Weg in die übersinnliche Welt an, um mit diesen körperlosen Erfahrungen sich wieder einen neuen Körper zu bauen. Der Kreislauf beginnt von neuem, er wird wieder geboren, um seinen Wesenskern, sein eigentliches ICH - nicht sein Ego weiterzuentwickeln und um der Erde zu dienen, bis er einst als hoch entwickelter Geist der Liebe selbst als Schöpfer am Weiterbau des sich ständig entwickelnden Universums teilnehmen kann. Das Ebenbild Gottes wird sich damit verwirklichen. Gibt es eine schönere Aussicht auf den Sinn des Lebens und Sterbens als diese?


Wir verlieren nicht
etwas im Sterben, wir
gewinnen etwas, wir gewinnen
das ganze Universum zurück,
das hinter unserem Ich verborgen
liegt. Wir gewinnen Gott ganz
zurück, unverstellt vom Ich.

                                Willigis Jäger

Weiterführende Literatur:

Franz Ackermann (Herausgeber):
"Alt werden" Ausgewählte Texte von Rudolf Steiner.
Rudolf Steiner Verlag, Basel 2018.

Frido Mann, Christine Mann:
"Es werde Licht" Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik.
S. Fischer Verlag, 3. Auflage, 2017.

Hans-Peter Dürr:
"Geist, Kosmos und Physik" Gedanken über die Einheit des Lebens.
Crotona Verlag, 9. Auflage, 2016.

Hans-Peter Dürr:
"Es gibt keine Materie" Revolutionäre Gedanken über Physik und Mystik.
Crotona Verlag, 7. Auflage, 2018







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